Kategorie: Anknüpfungspunkte

  • Ilja Repin: Die Wolgatreidler

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ilya_Repin_-Barge_Haulers_on_the_Volga-_Google_Art_Project.jpg

    Dieses Gemälde von Ilja Repin ist eines der bekanntesten Kunstwerke. Eine Gruppe von Männern zieht einen Kahn wolgaaufwärts. Man sieht ihnen die harte, schwere Arbeit an. Die Arbeit wirkt routiniert und aufeinander abgestimmt. Im Zentrum steht ein jüngerer Treidler, der sich aufrichtet, den Blick in die Weite richtet. Seine Herzregion ist auch farblich hervorgehoben. Am rechten Bildrand erscheint in der Ferne ein Zeichen der neuen Zeit: ein Dampfschiff.

    Dieses Bild wird oft als Zeichen der körperlichen Kraft und Leidensbereitschaft der Bevölkerung an der Wolga gedeutet.

    Im Artikel https://www.bpb.de/themen/europaeische-geschichte/geschichte-im-fluss/210102/treidler-an-der-wolga/ wird darüberhinaus auch auf die geordnete Abstimmung in der Gruppe – der Lotsen, der erfahrenen Treidler und der jungen Unerfahreneren – verwiesen. Ebenso gehörten Kenntnisse über Untiefen, Wasserstand und eine gute Zeitplanung zur Aufgabe.

    Ich möchte hier vor allem auf den jungen Treidler hinweisen: Inmitten der wichtigen und gewohnten Arbeit hält er inne, erhebt sich und blickt umher. Er löst sich für einen Moment aus der Gewohnheit und richtet sich auf.

    Dies scheint mir ein wichtiger Aspekt zu sein. Auch heutzutage sind wir oft fest in unserem gewohnten Handeln eingebunden. Wir haben unsere Arbeit bisher meist als sinnvoll erlebt und hinterfragen sie selten. Gleichzeitig erleben wir große Umbrüche, viele Systeme sind am Wanken und können den Anforderungen der Zeit nicht mehr gerecht werden. Ein Innehalten, ein Aufrichten und Durchatmen kann helfen, die Gleichzeitigkeit von Altem und Neuem besser zu ertragen, besser einordnen zu können. Ein Selbstvertrauen, das auf dem bisher Geleisteten gründet, in Verbindung mit einem weiten Blick nach vorne (und nach oben) und der Wahrnehmung der Anforderungen der Gegenwart – darin sehe ich unseren Entwicklungsraum.

    Als Abschluss dieses Beitrages noch eine schöne Ausgestaltung des bekannten Lieds der Wolgatreidler:

  • In Dialog treten

    Am 12.07.2000 trafen sich in Weimar der Präsident des Iran, Herr Chatami, und der deutsche Bundespräsident, Herr Rau, um in eine neue Phase des Dialogs zu treten. Anwesend waren auch die deutschen Professoren Herr van Ess sowie Herr Küng.

    Für das 2001 wurde von der UNO ein Jahr des Dialogs zwischen den Kulturen ausgerufen.

    Das Gespräch ist unter http://web.archive.org/web/20101030042050/http://www.bundespraesident.de/dokumente/-,2.23903/Rede/dokument.htm nachzulesen. Es ist ein beeindruckendes Zeugnis, auf welchem Niveau der damalige iranische Präsident um eine echte Begegnung ringt. Mit Auszügen aus dieser Veranstaltung möchte ich gerne dieses Weblog beginnen.

    Den Anderen wahrnehmen und ausgehend von den eigenen Idealen und Fähigkeiten nach Möglichkeit einer Zusammenarbeit und gemeinsamer Entwicklung zu suchen – dazu möchte auch dieses Weblog beitragen.

    https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0

    Herr Chatami sagte unter anderem:

    „Die heutige Welt ist auf der Suche nach einer neuen Grundlage für die Regelung menschlicher und gesellschaftlicher Beziehungen. Diese Grundlage ist nach unserer Ansicht der Dialog, in dem Ost und West keine Objekte der Erkenntnis, sondern Gesprächspartner sind. Dialog im Sinne einer klaren geographisch-kulturellen Kenntnis der Welt, des kritischen Blicks auf sich und andere, des Bemühens, das Erbe der Vergangenheit zu wahren und gleichzeitig nach neuen Erfahrungen zu suchen. Es geht um den Dialog über die Notwendigkeiten und Bedürfnisse des Menschen im Kontext des heutigen und des morgigen Lebens. Für einen wirklichen Dialog zwischen den Zivilisationen und Kulturen müssen neue Türen aufgestoßen werden, um die Realitäten der Welt zu erkennen und neue Einsichten in die östliche und westliche Welt zu gewinnen.“


    Das Gefühl des Andersseins, das der Osten und der Westen füreinander haben, wird nur dann aufgehoben, wenn beide sich nicht als eine absolute Erscheinung betrachten, sondern sich im Verhältnis zum Anderen und beide im Verhältnis zu diesem gemeinsamen Ursprung sehen. So können Ost und West einander vervollkommnen.

    Man muss die Anderen nicht nur tolerieren, man muss mit ihnen auch zusammenarbeiten.

    Dialog ist vor allen Dingen die Suche nach einem mitfühlenden und vertrauensvollen Kontakt.“