Kategorie: Iran

  • Das Herz

    Was war nun Roerichs Reise nach Asien (ab 1923)? Eine wissenschaftliche Expedition? Eine spirituelle Suche? Eine persönliche Heldenreise? Ein besonders schaffensfreudiger Lebensabschnitt eines Künstlers? Jeder mag, wenn er Interesse hat, selbst weiterforschen. Ich erlebe die Auseinandersetzung mit seinem Werk als zentrierend und weiterführend.

    Hier möchte ich Roerich selbst zu Wort kommen lassen und einige Zitate von ihm anführen:

    „Das Bild von Ost und West, also die Vorstellung zweier Teile, die nie zusammenfinden werden, ist bereits jetzt ein verstaubtes Relikt unserer Gedankenwelt. Wir schämen uns, jemals geglaubt zu haben, daß künstlich errichtete Mauern real seien und daß durch sie die beste menschliche Qualität teilbar sei: der Impuls der kreativen Entwicklung. Nun sehen wir sich gegenüberstehen, was wir als den Westen und den Osten bezeichneten. Durchdringend schauen sie einander an. Sie können die engsten Freunde werden und Gemeinsames schaffen.“

    „Der wahre Frieden, die wahre Einheit wird vom menschlichen Herzen ersehnt. Es strebt danach, schöpferisch und aktiv zu arbeiten, denn seine Arbeit ist eine Quelle der Freude.“

    „Für die Liebe muss man das Herz öffnen und kultivieren. Aber welches ist der Zugang, wenn nicht der Schlüssel des Schönen?“

    Hierzu eine persönliche Anmerkung von mir: ich denke nicht, dass Roerich das Schöne als etwas sentimentales, oberflächliches meinte. Schönheit ist immer auch eine Frage der Proportionen, der Gestaltung. Und dadurch sind Ordnung und Wahrheit mit dem Empfinden von Schönheit verbunden.

    Zum Abschluss der Beiträge über Nicholas Roerich noch einige Bilder:

    Und wir arbeiten, 1922

    Und wir öffnen die Pforten, 1922

    Zoroaster, 1931

    Er, der eilt, 1924

  • Die beiden Welten – Gedicht von J. W. von Goethe

    Wer sich selbst und andre kennt,
    Wird auch hier erkennen:
    Orient und Okzident
    Sind nicht mehr zu trennen.

    Sinnig zwischen beiden Welten
    Sich zu wiegen, lass ich gelten;
    Also zwischen Ost und Westen
    Sich bewegen, sei’s zum Besten.

    In einer Zeitenwende, in der Brücken bewusst eingerissen werden, sich der bereits vorhandenen Brücken zu besinnen, sowie neue Brücken zu erahnen und auszugestalten – das ist etwas, was jeder Einzelne auch derzeit leisten kann.

  • In Dialog treten

    Am 12.07.2000 trafen sich in Weimar der Präsident des Iran, Herr Chatami, und der deutsche Bundespräsident, Herr Rau, um in eine neue Phase des Dialogs zu treten. Anwesend waren auch die deutschen Professoren Herr van Ess sowie Herr Küng.

    Für das 2001 wurde von der UNO ein Jahr des Dialogs zwischen den Kulturen ausgerufen.

    Das Gespräch ist unter http://web.archive.org/web/20101030042050/http://www.bundespraesident.de/dokumente/-,2.23903/Rede/dokument.htm nachzulesen. Es ist ein beeindruckendes Zeugnis, auf welchem Niveau der damalige iranische Präsident um eine echte Begegnung ringt. Mit Auszügen aus dieser Veranstaltung möchte ich gerne dieses Weblog beginnen.

    Den Anderen wahrnehmen und ausgehend von den eigenen Idealen und Fähigkeiten nach Möglichkeit einer Zusammenarbeit und gemeinsamer Entwicklung zu suchen – dazu möchte auch dieses Weblog beitragen.

    https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0

    Herr Chatami sagte unter anderem:

    „Die heutige Welt ist auf der Suche nach einer neuen Grundlage für die Regelung menschlicher und gesellschaftlicher Beziehungen. Diese Grundlage ist nach unserer Ansicht der Dialog, in dem Ost und West keine Objekte der Erkenntnis, sondern Gesprächspartner sind. Dialog im Sinne einer klaren geographisch-kulturellen Kenntnis der Welt, des kritischen Blicks auf sich und andere, des Bemühens, das Erbe der Vergangenheit zu wahren und gleichzeitig nach neuen Erfahrungen zu suchen. Es geht um den Dialog über die Notwendigkeiten und Bedürfnisse des Menschen im Kontext des heutigen und des morgigen Lebens. Für einen wirklichen Dialog zwischen den Zivilisationen und Kulturen müssen neue Türen aufgestoßen werden, um die Realitäten der Welt zu erkennen und neue Einsichten in die östliche und westliche Welt zu gewinnen.“


    Das Gefühl des Andersseins, das der Osten und der Westen füreinander haben, wird nur dann aufgehoben, wenn beide sich nicht als eine absolute Erscheinung betrachten, sondern sich im Verhältnis zum Anderen und beide im Verhältnis zu diesem gemeinsamen Ursprung sehen. So können Ost und West einander vervollkommnen.

    Man muss die Anderen nicht nur tolerieren, man muss mit ihnen auch zusammenarbeiten.

    Dialog ist vor allen Dingen die Suche nach einem mitfühlenden und vertrauensvollen Kontakt.“