Kategorie: Musik

  • Polen und Russland

    Ich habe gestern auf youtube ein Gespräch zwischen Patrik Baab und dem polnischen Journalisten Jan Opielka angesehen.

    Polen wirkte auf mich in den letzten Jahren als konflikttreibend, was den Ukrainekrieg betrifft. Ich habe auch in meinem Umfeld Aussagen von Menschen aus Polen gehört, die starke Ressentiments gegenüber Russland zeigten.

    Opielka beschreibt im Gespräch, dass viele Polen anfangs sehr große Unterstützung für die Ukraine zeigten. Dies betraf nicht nur Waffenlieferungen und Logistik, sondern er sagt, dass anfangs 2 Millionen Polen Ukraineflüchtlinge bei sich aufnahmen. Inzwischen macht sich Ernüchterung und auch Skepsis breit.

    Opielka benennt Tragödien und Traumata aus der polnischen Vergangenheit. Er bezeichnet die „antirussischen Reflexe und Komplexe“ der Polen als nachvollziehbar, aber er sieht auch, dass die Ängste ins Irrationale gehen. Außerdem sieht er eine fast religiöse Anbindung an die USA, man unterstütze „blind“ alles, was sich gegen Russland richte. Dies werde zudem von Thinktanks und Medien verstärkt. Im Gespräch mit Herrn Baab zeigt er eine durchgängige Haltung, die ich als zutiefst humanes „nüchternes Mitgefühl“ bezeichnen möchte.

    Am Ende des Gesprächs zeigt er in beeindruckender Weise, wie er die „Wut“, die er im Zusammenhang mit dem Krieg verspürt, verarbeitet: Er singt ein selbstgeschriebenes Lied („Schwarzes Meer“), in dem er dazu aufruft, nicht „Bauer in dem Krieg“ zu sein.(„Sei kein Bauer in nicht deinem Krieg“)

    Das Gespräch hat mich nicht nur mit vielen Informationen über die polnische Geschichte und Interessen und Bedürfnisse der polnischen Bevölkerung bereichert, sondern hat mich auch bewegt: Wie fördert man eine realistische, rationale Beziehung zwischen Menschen und Völkern, wenn in der Vergangenheit so viele ungerechte, grauenhafte Taten geschahen? Wie kann man die spontanen Gefühlsaufwallungen, die oft die eigenen Haltungen und Handlungen leiten, läutern und auf ein besseres Niveau bringen? Ein Weg dazu scheint die Kunst zu sein.

    Eine gute Bekannte, die in einem „Ostblockland“ aufgewachsen ist, erzählte mir, dass die Menschen in ihrem Heimatland aufgrund der Vergangenheit Vorbehalte gegenüber Russland haben. Gleichzeitig machte sie mich aber auf das Lied von Wladimir Wyssozki „Über einen Freund“ aufmerksam. Echte Kunst berührt die Menschen und verbindet sie über die Nationen hinweg.

    Im Lied beschreibt Wyssozki, dass man einen Freund nicht im oberflächlichen Alltag erkennt, sondern erst, wenn man gemeinsam Prüfungen durchsteht.

    In der letzten Woche war ich in Dessau und erlebte dort ganz unerwartet den Künstler Tino Eisbrenner, wie er auf der Wahlkampfbühne des BSW eben dieses Lied vortrug. Daher hier noch eine ältere Aufnahme von Herrn Eisbrenner mit der deutschen Version des Liedes:

  • Eugen Onegin am Salzburger Landestheater

    „Wo Frieden ist, da ist Kultur. Wo Kultur ist, da ist Frieden.“ (N. Roerich)

    Eine der irritierendsten Erfahrungen der letzten Jahre war, dass in der Situation, wo die Worte in der Politik versagten und zu den Waffen gegriffen wurde, die Kulturbetriebe sich sehr häufig auf eine Seite schlugen und keinen offenen Diskurs führten. Dirigenten und Sänger wurden gecancelt, Werke wurden vom Spielplan genommen. Städtepartnerschaften wurden ausgesetzt oder gar ganz beendet.

    Die Kunst hätte eigentlich eine große integrierende Kraft. Wie schön, wenn ein Theater dies erkennt und ausgestaltet. Am Salzburger Landestheater wird derzeit die Oper Eugen Onegin von Tschaikowsky aufgeführt. In russischer Sprache und mit deutschen und englischen Unter-(Über-?)titeln. Eine Wohltat in dieser polarisierten Zeit.

  • Rita Streich

    Die verehrte und gefeierte Koloratursopranistin Rita Streich wurde 1920 in Sowjetrussland, in Sibirien, geboren und wuchs zweisprachig auf. Ihr Vater war deutscher Kriegsgefangener (im 1. Weltkrieg) und ihre Mutter war Russin. Viele Menschen sind uns lieb und vertraut, und wir wissen oft gar nicht, dass sie in zwei Kulturen beheimatet sind/waren. Wenn sie davon erzählen, entsteht eine schöne Verbindung und das Interesse steigt. Hier erzählt Frau Streich über ihre Kindheit (und Ausflüge in den Kaukasus – da wäre man gerne dabeigewesen) und Jugendjahre: