Kategorie: Ungarn

  • Nach der Ungarnwahl

    Es gibt inzwischen viele Analysen und Stellungnahmen zur Wahl vom vergangenen Sonntag.

    Hier ist ein besonders lesenswerter Beitrag von Boris Kálnoky:

    Es gelingt Herrn Kálnoky auf sehr schöne Weise, die Situation in Ungarn zu beschreiben und gleichzeitig seinen eigenen Standpunkt und Hintergrundinformationen einfließen zu lassen, ohne dass man sich als Leser manipuliert fühlt. Der Schluss wirkt verbindend und verweist auf die anstehenden Aufgaben, denen sich die neue Regierung stellen muss.

    Auf Herrn Kálnoky bin ich über dieses Interview mit Frau Preradovic aufmerksam geworden. Trotz des reißerischen Titels wird das Gespräch von recht feinen Beobachtungen und Anmerkungen geprägt.

    Ich bin neugierig, wie sich die Situation in Ungarn weiterentwickelt. Die EU-Kritiker auch im Ausland haben eine wichtige Leitfigur verloren, die zwar wichtige Themen wie Eigenständigkeit, Frieden, Energiesicherheit,… in den Fokus führte, aber auch zu einigen Projektionen und Verantwortungsabgabe verleitet hat.

    Diese Ideale verlieren nicht an Wichtigkeit, sie müssen aber von jedem einzelnen Staat, jeder Kommune, eigentlich sogar jeder Einzelperson selbst gedacht und ausgestaltet werden.

  • Tage in Ungarn

    Wohin führt der Weg? (Auenlandschaft bei Györ, Ungarn)

    Heute, am 12.04.26 wird in Ungarn ein neues Parlament gewählt. Die Atmosphäre ist polarisiert, beiden Seiten wird unterstellt, von ausländischen Mächten beeinflusst zu sein. Orban wird Nähe zu Russland vorgeworfen, Peter Magyar unkritische EU-Treue.

    Ich war die letzte Woche in Ungarn unterwegs. Man sieht ruhige, schöne Städte, die Landschaft wirkt im Frühlingsblühen überaus lieblich. Wahlplakate sind sichtbar, aber recht dezent auf Laternenmasten etc. beschränkt, ich fühlte mich weniger bedrängt als in deutschen Wahlkämpfen. Man sieht in etwa gleich viele Plakate von Fidesz (Orban) und Tisza (Magyar).

    Menschen erzählen, dass Orban zwar für seine Traditionsbewahrung geschätzt wird, dass aber doch das Lohnniveau und vor allem die Renten deutlich zu niedrig seien.

    Orban, Ministerpräsident von Ungarn seit 2010, spricht von seinem Land als „Insel der Sicherheit und Ruhe“, als „Insel der freien Rede“ sowie als „Insel des Friedens“. Und in der Tat hat er in letzter Zeit mutig einen Gegenstandpunkt zu vielen umstrittenen Themen bezogen. Er zeigte sich als Gegner der Massenmigration, als Bewahrer von traditionellen familiären Strukturen sowie als Gegner der militärischen Eskalation in der Ukraine. Er bemühte sich, Beziehungen zu vielen Seiten zu pflegen und zu vermitteln.

    Die Umfrageergebnisse sind sehr unterschiedlich. Der Wahlausgang wird spannend.

    Durch die Polarisierung, die auch aus dem Ausland unterstützt wurde, ist fraglich, ob der Wahlausgang akzeptiert werden wird. Die Bevölkerung ist misstrauisch und auch die EU hat bereits in Rumänien gezeigt, dass sie in demokratische Wahlen eingreifen kann.

    Vielleicht gelingt es Ungarn, aufbauend auf den bisher gepflegten Werten, in Zukunft die Spaltungen im Wirtschaftsleben zu überwinden und Beziehungen sowohl zu EU-Staaten, als auch zu unabhängigen Staaten und sogar zu BRICS-Staaten zu pflegen?