Im letzten Beitrag ging es unter anderem darum, die Feigheit zu betrachten als Zurückschrecken vor der Wahrheit.
2020 begegnete mir auf Demonstrationen mehrfach ein Mann, der ein übergroßes Gandhiplakat mit sich führte. Ohne Slogans, einfach nur das Bild.

Diese Hinwendung, an heißen Sommertagen über weite Strecken das riesige Porträt eines lange verstorbenen Mannes mitzuführen, beeindruckte mich sehr und regte mich an, mich mit dem Leben von Gandhi auseinanderzusetzen. Ein Begriff, der mich faszinierte, ist satyagraha, auf Wikipedia wird er als „Festhalten an der Wahrheit“ oder „Ergreifen der Wahrheit“ übersetzt. Diese Übertragungen ins Deutsche halte ich jedoch für irreführend, weil man sich schnell eine Vorstellung von der Wahrheit machen könnte als etwas, das man „haben“ und „vor sich her tragen“ könne.
Die gegenwärtige Schwierigkeit vieler Menschen, wirklich in aufrichtige Begegnungen zu finden, mag auch daran liegen, dass viele Menschen meinen, Wahrheit bereits gefunden zu haben.
Hier hilft aber sogar Wikipedia weiter: „Während der Lebenszeit kann die Wahrheit nicht als Ganzes erkannt werden“ steht auf einer Skizze, die auf dem Satyagraha-Artikel veröffentlicht ist. Es geht also vielmehr um das „Streben nach Wahrheit“.
Ich hatte mir vor ein paar Jahren einen schönen Satz abgeschrieben: „Satyagraha ist eine unermüdliche Suche nach Wahrheit und die Entschlossenheit, die Wahrheit zu erreichen. Man hält an der Wahrheit fest und lässt die Unwahrheit los, egal wie schwierig es sich erweist.“
Nun wollte ich nachprüfen, wo der Satz veröffentlicht wurde, aber ich fand ihn nicht mehr. Es geht mir immer öfter so, dass ich mich darauf verlasse, etwas mit einer Suchmaschine schon wiederzufinden, und dann ist es aber gelöscht oder aus anderen Gründen nicht mehr auffindbar.
Dennoch finde ich diese Aussage zu Satyagraha aufschlussreich, da es nicht naiv und vereinfachend ist, sondern darauf verweist, dass das Unterfangen ein schwieriges sein wird und dass man auf dem Weg auch etwas los- und zurücklassen muss (die Unwahrheit).
Die hohe Anforderung einer Wahrheitssuche und den Ernst, der sie begleitet, stellte Heinz Grill auf seiner Homepage im Beitrag über Satya, Wahrheit, Logik und Unlogik sehr anschaulich dar. Das Bild und der untenstehende Text ist ein Ausschnitt seines Artikels.

Der ganze Artikel ist sehr zu empfehlen und erweitert und vertieft die Idee des Satyagraha.
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