Kategorie: Allgemein

  • Wenn Leben vor der Zeit enden

    Es gibt Ereignisse, von denen hört man, und man vergisst sie nie. Die jemenitischen Kinder, die im Schulbus bei einem Angriff des saudi-arabischen Militärs starben, die iranischen Mädchen, die bei dem US-Angriff auf ihre Schule ums Leben kamen, die russischen Jugendlichen, die in ihrem Studentenwohnheim durch einen ukrainischen Drohnenangriff starben.

    Die Erschütterung bei diesen Ereignissen ist vielleicht deshalb so tief, weil Kinder und Jugendliche, die in einer fulminanten, ständigen Entwicklung stehen, die Hoffnung auf das Voranschreiten der ganzen Menschheit nähren. Als älterer Mensch blickt man freudig auf den Tatendrang, auf die ehrlichen Gefühle und auf das Gerechtgkeitsgefühl der Jugend. Sterben junge Menschen gewaltsam durch kriegerische Akte, verliert die ganze Menschheit zuerst einmal an Potential und an Zukunftsfähigkeit.

    Dies hat der Künstler Axel Weinstein in seinem Lied „Girls from Minab“ ausgedrückt

    Hier ist auch noch eine sehr gediegene Interpretation des Liedes von Stephan Wunderlich und Aline Roüast:

    Was bleibt für uns alle, die wir mit solchen Geschehnissen konfrontiert werden? Wir könnten die Entwicklungsfähigkeit, die die Kinder lassen mussten, aufnehmen, und uns zu höchsten Idealen aufrichten.

    Was ist nun mit Menschen, die schon auf viel gelebtes Leben zurückblicken konnten und trotzdem gewaltsam vor ihrer eigentlichen Zeit im Krieg sterben?

    Ich nehme hier das Beispiel von Stanislaw Boguslawskij, einem Poeten aus Perm, der 74jährig durch eine ukrainische Drohne getötet wurde.

    Übersetzung des Umschlagtextes seiner Gedichtesammlung „Kniga is telefona“)

    „Der Autor dieses Buches wurde in der Mitte des vorigen Jahrhunderts geboren. Er studierte in Perm und machte Wehrdienst auf der Halbinsel Kamtschatka, förderte Kohle in Workuta. Er arbeitete im Arktischen Ozean als erster Assistent des Kapitäns auf dem Eisbrecher „Kapitän Melechow“, später auf dem Güterschiff „Perm“. Er hatte auch Erfahrungen als Geschäftsmann und Reisender. Sein 60-jähriges Jubiläum feierte er auf dem Everest.
    Die Gedichtsammlung „Ein Buch aus dem Telefon“ ist seine erste Erfahrung im Bereich des literarischen Schaffens. Ein Versuch, neue Angriffspunkte zu finden.“

    Man steht beeindruckt vor so einem Lebenslauf. Immer wieder neue Herausforderungen, harte Aufgaben in unwirtlichen Regionen. Anstatt diese ausführlich beispielsweise in einer Autobiographie zu beschreiben, hat sich Herr Boguslawskij dafür entschieden, sich der Gedichtsform zuzuwenden.

    Vor vielen Jahren las ich einmal einen Aphorismus, der sinngemäß lautete: „Dichten heißt, sich selbst zu öffnen, indem man das Leben verdichtet. Es heißt aber auch sich selbst zu verdichten, indem man das Leben öffnet.“ (Ich würde mich freuen,wenn mich jemand auf den Autor und den genauen Wortlaut hinweisen könnte.)

    So eine Verdichtung seiner selbst hat Herr Boguslawakij in seinen Gedichten hinterlassen. Wenn man sich ihnen zuwendet, kann man ein Empfinden dafür entwickeln, welche Werte und Ideale ihm im Leben wichtig waren. Ich meine dies nicht in einem vorschnellen, phantastischen oder emotionalen Sinn, sondern in einer wiederholten, konkreten und sachlichen Zuwendung. Es entsteht langsam ein Gefühl der Verbindung mit dem Verstorbenen.

    Der in einem kleinen Dorf an der Tschussowaja lebende deutsche Musiker Klaus Burger hat eine sehr berührende Übersetzung eines Gedichtes von Stanislaw Boguslawskij geschaffen, die ich hier veröffentlichen darf:

    Ein nüchternes Wahrnehmen und ein wiederholtes Zuwenden zur verstorbenen Person und seinen Taten und Werken –

    Was macht das mit uns? Was macht das mit der verstorbenen Seele? Was ändert sich in der Atmosphäre?

  • Über das Baltikum

    Bei der Beschäftigung mit Hermann Hesse las ich kürzlich, dass sein Großvater väterlicherseits als Arzt und russischer Staatsrat im russischen Zarenreich lebte und dass Hermann Hesse, der mir als deutscher und dann schweizer Staatsbürger bekannt war, bei Geburt auch die russische Staatsangehörigkeit hatte.

    Durch die wirtschaftlichen Aktivitäten der Hanse siedelten sich ab dem 12./13.Jahrhundert deutschsprachige Menschen in den baltischen Gegenden an und prägten dann nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das politische und kulturelle Leben.

    Die baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen grenzen an Russland, Weißrussland, Polen und an die Ostsee. Finnland und Schweden sind nahe. Erstmals wurden die baltischen Länder nach dem 1. Weltkrieg unabhängig und dann wieder ab 1990.

    Die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) grenzt an Litauen und die direkte Verbindung von Kaliningrad mit Russland führt durch das Baltikum.

    Ursprünglich geprägt durch die Hanse, also durch wirtschaftliche Aktivität, entwickelte sich im Bereich Königsberg/Baltikum ein überaus reges kulturelles Leben. Immanuel Kant (lebte in Königsberg), E.T.A. Hoffmann und Käthe Kollwitz (in Königsberg geboren), Arvo Pärt (estnischer Musiker), Mikhail Baryshnikow (lettischer Ballettkünstler), Sergej Eisenstein (in Lettland geborener Regisseur),… die Liste der Menschen, die zum Kulturschatz der Menschheit beitrugen, ist lang.

    Eines der bekanntesten deutschen Liebeslieder wurde in dieser Region geschaffen:

    Der Text wurde wohl ursprünglich vom Dichter Simon Dach (geboren in Preußisch-Litauen) 1636 in Königsberg für die Priestersgattin Anna Neander in „samländischem Niederdeutsch“ geschrieben. Inhaltlich wird dort die Liebesbeziehung als gemeinsamer Lebensweg beschrieben. Wenn man zusammensteht, können einem die ganzen Beschwernisse und Herausforderungen des Lebens nichts anhaben, sondern das Miteinander sogar noch bestärken. Vielleicht erklärt sich diese Schwerpunktsetzung auch dadurch, dass der Text zur Zeit der 30jährigen Kriegs verfasst wurde. Die eingängige Melodie wurde im 19. Jahrhundert von Friedrich Silcher beigefügt.

    Eigentlich wäre diese Region rund um die Ostsee prädestiniert für einen Austausch der Länder, für einen intensiven Handel, für eine Erinnerung an gemeinsame Abschnitte der Geschichte, für die Wertschätzung der Errungenschaften der Philosophie, der Dichtkunst, der Malerei, der Musik. Was für eine bittere Einengung ist es, wenn das Baltikum heutzutage nur noch unter militärstrategischen Aspekten betrachtet wird,

    Die Übersetzung des „Anke van Tharaw“ ins Hochdeutsche nahm übrigens Johann Gottfried Herder vor. Herder wurde geboren im heutigen Polen, lebte als junger Mann in Königsberg, arbeitete in Riga (heute Lettland) und kam zu seiner vollen Reife in Weimar.

    Von ihm stammen weise Aussagen zum Nebeneinander und empathischen Miteinander der Nationen.

    „Offenbar ist’s die Anlage der Natur, daß wie ein Mensch, so auch ein Geschlecht, also auch ein Volk von und mit dem anderen lerne, unaufhörlich lerne, bis alle endlich die schwere Lektion gefaßt haben.’Kein Volk sei ein von Gott einzig auserwähltes Volk der Erde, die Wahrheit müsse von allen gesucht, der Garten des allgemeinen Besten von allen gebaut werden, am großen Schleier der Minerva sollen alle Völker, jedes auf seiner Stelle, ohne Beeinträchtigung, ohne stolze Zwietracht wirken.’“

  • „…dass man Freunde bleibt, mit allen“

    Ein Teilnehmer am im vorigen Beitrag vorgestellten „East West Forum“ ist der Schweizer Pascal Lottaz. Lottaz ist ein junger Professor für internationale Beziehungen an einer Universität im japanischen Kyoto. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Neutralität.

    Zuerst fielen mir seine überaus informativen Gespräche auf seinem Youtube-Kanal Neutrality Studies auf. Ein Schweizer in Japan – das verspricht Perspektiven abseits der hierzulande üblichen Polarisierungen.

    Nun veröffentlichte Radio München einen hörenswerten Beitrag mit dem schönen Titel „Die Kunst der Neutralität“:

    Jonny Rieder interviewt Pascal Lottaz und man erfährt mehr über seinen Arbeitsschwerpunkt. Er unterscheidet situative und permanente Neutralität, erläutert die geschichtlichen Hintergünde. Während die Menschen in den letzten Jahrhunderten daran arbeiteten, Krieg zu definieren, auszuhandeln und mit Regeln zu belegen, ist man inzwischen in diffusen, andauernden Kriegen angekommen (kalter Krieg, Krieg gegen den Terror,…). Er schildert die völkerrechtlichen Übereinkommen als noch junge, weiter auszugestaltende Errungenschaften.

    Kriege sind heute oft Wirtschaftskriege, Sanktionen und Handelsbeschränkungen sind wirksame Waffen.

    Wenn man ihn erklären hört, tut sich ein großer Entwicklungsraum auf: eine neutrale Stellung muss man nicht als Rückzug oder Isolatonismus betrachten. Neutralität kann im Gegenteil sogar als besonders gut gestaltete Beziehungsfähigkeit gesehen werden: mit allen Staaten im Gespräch sein, mit allen Staaten Handel betreiben.

    Wenn mehr Menschen sich für dieses Ideal der Neutralität begeistern könnten, dann wäre eine Überwindung der Verhärtungen, der Diffamierungen, der Frontenbildung vorstellbar. Ich wünsche mir, dass diese Ideen von Herrn Lottaz große Verbreitung finden und möchte mit seinem Satz schließen: „Die Idee der Neutralität ist, dass man Freunde bleibt, mit allen.“

  • Gespräche in Istanbul

    Die Türkei hat geopolitisch und wirtschaftlich eine sehr interessante Position. Sie ist das einzige muslimisch geprägte Mitgliedsland der NATO. Sie hat bereits 1959 ihren Willen zur Assoziierung zur EWG(Vorläufer der EU) und 1987 einen Beitrittsantrag gestellt. Ein Beitritt wurde dem Land aber nie ermöglicht. Die Türkei verfolgt interessiert die BRICS-Initiative, die sich um partnerschaftlichen, verlässlichen Handel der beteiligten Länder bemüht. 2024 stellte das Land einen Antrag auf Vollmitgliedschaft bei BRICS.

    Die größte Stadt Istanbul (ca. 15 Millionen Einwohner) umfasst europäisches und asiatisches Gebiet, verbunden durch die Brücke über den Bosporus. Istanbul ist eine überaus moderne Großstadt.

    Im März 2022 initiierte der türkische Präsident Erdoğan Verhandlungen zwischen einer ukrainischen und einer russischen Delegation. Diese Verhandlungen fanden in Istanbul und Antalya statt. Leider wurde dadurch keine Beendigung der militärischen Auseinandersetzung erreicht.

    Nächstes Wochenende findet in istanbul wieder eine interessante Begegnung von Menschen aus Ost und West statt

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    Glenn Diesen, ein norwegischer Politologe schreibt darüber auf X:

    „Von Washington bis Peking, Moskau bis Teheran, Berlin bis Kairo, Neu-Delhi bis Rom, London bis Maskat, führende Persönlichkeiten aus allen Ecken der Welt kommen beim Ost-West-Forum zusammen“

    Die Personen, die sich daran beiteiligen, sind interessant (wenn ich auch nur ein Drittel davon „kenne“). Die angekündigten Themen sind Multipolarität, Friedenssicherung, die Bedeutung von Europa bis hin zu Details von regionalen Krisen.

    Hier kann man mehr darüber lesen: East-West-Forum

    Der 26.09.26 – dieses Datum kann man sich gut merken und die Themen schon vorausdenken und mit eigener Anteilnahme begleiten. Ich habe nichts darüber gelesen, wie man die einzelnen Gesprächsrunden verfolgen kann. Falls Ausschnitte auf youtube gestellt werden, werde ich das hier berichten.

    Ich hoffe sehr, dass es gelingt, in Istanbul vorurteilsfrei miteinander in Kontakt zu kommen und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

  • Gastbeitrag: Reise nach Smolensk,Teil 3

    Bevor ich die Reihe mit zwei weiteren Teilen fortführe, möchte ich hier auf ein sehr berührendes Video über diese Smolenskreise verweisen:

    Eine Reise, die vom Wunsch nach echter Begegnung getragen ist, strahlt entwicklungsfördernd auf die Menschen aus.

  • Polen und Russland

    Ich habe gestern auf youtube ein Gespräch zwischen Patrik Baab und dem polnischen Journalisten Jan Opielka angesehen.

    Polen wirkte auf mich in den letzten Jahren als konflikttreibend, was den Ukrainekrieg betrifft. Ich habe auch in meinem Umfeld Aussagen von Menschen aus Polen gehört, die starke Ressentiments gegenüber Russland zeigten.

    Opielka beschreibt im Gespräch, dass viele Polen anfangs sehr große Unterstützung für die Ukraine zeigten. Dies betraf nicht nur Waffenlieferungen und Logistik, sondern er sagt, dass anfangs 2 Millionen Polen Ukraineflüchtlinge bei sich aufnahmen. Inzwischen macht sich Ernüchterung und auch Skepsis breit.

    Opielka benennt Tragödien und Traumata aus der polnischen Vergangenheit. Er bezeichnet die „antirussischen Reflexe und Komplexe“ der Polen als nachvollziehbar, aber er sieht auch, dass die Ängste ins Irrationale gehen. Außerdem sieht er eine fast religiöse Anbindung an die USA, man unterstütze „blind“ alles, was sich gegen Russland richte. Dies werde zudem von Thinktanks und Medien verstärkt. Im Gespräch mit Herrn Baab zeigt er eine durchgängige Haltung, die ich als zutiefst humanes „nüchternes Mitgefühl“ bezeichnen möchte.

    Am Ende des Gesprächs zeigt er in beeindruckender Weise, wie er die „Wut“, die er im Zusammenhang mit dem Krieg verspürt, verarbeitet: Er singt ein selbstgeschriebenes Lied („Schwarzes Meer“), in dem er dazu aufruft, nicht „Bauer in dem Krieg“ zu sein.(„Sei kein Bauer in nicht deinem Krieg“)

    Das Gespräch hat mich nicht nur mit vielen Informationen über die polnische Geschichte und Interessen und Bedürfnisse der polnischen Bevölkerung bereichert, sondern hat mich auch bewegt: Wie fördert man eine realistische, rationale Beziehung zwischen Menschen und Völkern, wenn in der Vergangenheit so viele ungerechte, grauenhafte Taten geschahen? Wie kann man die spontanen Gefühlsaufwallungen, die oft die eigenen Haltungen und Handlungen leiten, läutern und auf ein besseres Niveau bringen? Ein Weg dazu scheint die Kunst zu sein.

    Eine gute Bekannte, die in einem „Ostblockland“ aufgewachsen ist, erzählte mir, dass die Menschen in ihrem Heimatland aufgrund der Vergangenheit Vorbehalte gegenüber Russland haben. Gleichzeitig machte sie mich aber auf das Lied von Wladimir Wyssozki „Über einen Freund“ aufmerksam. Echte Kunst berührt die Menschen und verbindet sie über die Nationen hinweg.

    Im Lied beschreibt Wyssozki, dass man einen Freund nicht im oberflächlichen Alltag erkennt, sondern erst, wenn man gemeinsam Prüfungen durchsteht.

    In der letzten Woche war ich in Dessau und erlebte dort ganz unerwartet den Künstler Tino Eisbrenner, wie er auf der Wahlkampfbühne des BSW eben dieses Lied vortrug. Daher hier noch eine ältere Aufnahme von Herrn Eisbrenner mit der deutschen Version des Liedes:

  • Gastbeitrag: Reise nach Smolensk, Teil 2

    „Eine Reise mit Bus und Bahn gegen Osten. Am Anfang möchte ich sagen, dass ich immer mehr beobachte, dass die Menschen Beziehungen möchten. Sie möchten sich begegnen, gegenseitig wahrnehmen. Und wenn ein aufmerksamer Blick mit Interesse oder mit einer Ansprache an jemanden gerichtet ist, so kam es mir manchmal vor, wie wenn der Andere sich freut und aus seiner schweren Last des Daseins erwacht, aufschaut, wie ein Licht bemerkt und freudig ins Gespräch geht.

    Wir haben bei unserer ganzen Reise die Erfahrung gemacht, wenn wir Menschen ansprechen, uns für sie interessieren, ihre Gesichter beobachten und wahrnehmen, sie fragen, wie sie leben und denken, dass wir immer ins Gespräch gekommen sind, sie sich gefreut haben. Es entsteht immer ein Licht der Freude, wenn man sich bemüht, Anteil zu nehmen, sich in die Mitmenschen reinzufühlen.


    Fahrt nach Warschau

    Wir fuhren mit einem Flixbus von Ostdeutschland nach Warschau. Die Fahrer waren Polen. Polen sind hervorragende LKW- und Busfahrer. Sie fahren souverän und mutig in die größten Innenstädte und sind auch geduldig. Die Arbeit ist schwer, sie müssen nebenher den Bus putzen, Toilette versorgen, Pässe kontrollieren, Gepäck einräumen, an den Grenzkontrollen Rede und Antwort stehen. Wir fühlten uns in guten Händen.

    Warschau West


    Die Fahrt war interessant, der Bus kam schon aus München. Der Bus ist eine günstige und umweltfreundliche Reisemöglichkeit, und man kommt auch gut mit den anderen Reisenden ins Gespräch. Wir kamen in Warschau-West an. Das Stadtviertel erschreckt zunächst etwas, man sieht in der Umgebung graue Hochhäuser, wie Klein-Manhattan. Das Gelände des Busbahnhofs war sehr dreckig, voller Müll. Es wird gebaut, wie überall. Wir sahen einen stark behinderten Bettler, der die Autofahrer an einer stark befahrenen Straße bei Rot um Geld anbettelte. In einem günstigen Hotel trafen wir auf sehr freundliches Personal, das sich um uns bemühte.

    Fahrt nach Vilnius

    Am nächsten Tag ging die Reise nach Litauen weiter. Die Landschaft wurde sehr schön. Wir kamen durch Masuren – eine sehr reizende Landschaft, sehr flach, wunderschöne Kiefernwälder. Was besonders auffällt: es gibt sehr viele Störche. Sie bauen sich ihre Nester in den Dörfern. Man sieht ab und zu Seen von der Straße aus. Der Himmel spannt sich weit auf, der Wald wirkt sehr frisch und gesund. Diese Gegend könnte man gut für einen Urlaub empfehlen. Auf dem Rückweg saßen wir im Bus oben ganz vorne und erlebten diese stundenlange Fahrt durch die Wälder noch mal sehr intensiv. Wir sahen viele Stände am Straßenrand, wo Menschen Pilze anboten. Die polnisch-litauische Grenze ist nicht besetzt, wir fahren einfach durch und landen in Vilnius.


    Vilnius erschreckt uns. Direkt am Busbahnhof, der auch voller Müll ist, begegnen uns viele betrunkene Menschen. Wir waren insgesamt drei Nächte in Vilnius (auf der Hin- und Rückfahrt) und hatten jedesmal wieder das gleiche Bild. Kaputte Straßen, verfallene Häuser, viele SecondHand-Läden, im Supermarkt sehen wir viel Alkohol in den Einkaufskörben. Wir suchen nach einer Einkehrmöglichkeit und landen in einem Hinterhofrestaurant. Junge Leute mit müden Blicken sitzen an den Tischen, unterhalten sich wenig und schauen vor allem ins Handy. Es fällt uns schwer, in Vilnius mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ein netter Kellner sagte uns bei der Rückreise, dass diese Ecke der Stadt nicht schön sei, er empfahl uns aber die schöne Innenstadt. Dies war uns aber aus Zeitgründen diesmal nicht möglich.

    Fahrt nach Minsk


    Auf der Weiterfahrt nach Minsk in Weißrussland hatten wir litauische Fahrer. Der Grenzübergang war schwierig, es hat sehr lange gedauert, die litauischen Grenzbeamten, sehr junge Frauen, erschienen reserviert und unterkühlt. Im Bus kamen wir mit einem jungen Spanier und seinem Vater ins Gespräch, die dann nach Moskau und St. Petersburg weiterreisen wollten. Immer mehr Menschen beteiligten sich am Gespräch, so z. B. ein Deutscher, der jetzt in Belarus lebt. Durch diesen lebendigen Austausch haben wir den langwierigen Grenzübertritt etwas leichter nehmen können.

    Es ging weiter nach Minsk. Der Weg von Vilnius nach Minsk ist nicht weit, durch den Grenzübertritt, hat es aber doch sechs Stunden gedauert.

    Minsk ist eine sehr moderne, riesige Stadt. Das Hotelpersonal war sehr nett. Die Stadt zeigte sich sauber und gepflegt. Die Häuser sind teils modern, teils restauriert. Man sieht teure Autos. Die Frauen sind mir aufgefallen: sehr schlank, lange Haare, schön gekleidet. Viele scheinen gerne sehr hohe Absätze zu tragen. Manchmal hatten wir aber das Gefühl, dass die eine oder andere auf Kunden wartete.

    Im Botanischen Garten war ein Musikfestival, viele Pavillons, in denen junge Studenten musizierten., mit einer Geigerin kamen wir ins Gespräch.

    Die Kirche für die Gefallenen und Ermordeten aller Kriege hat uns sehr beeindruckt: Frische, bunte Bilder und ein funkelnder Marmormosaikfußboden. Daneben war eine Holzkirche. Frauen müssen ein Kopftuch aufsetzen, es werden viele Kerzen angezündet. Viele Frauen sind hier in der Kirche (wohl ehrenamtlich) aktiv und kümmern sich um die Ordnung. Ich hatte beobachtet, dass Frauen etwas auf einen Zettel schreiben und Geld bezahlen. Ich fragte, was dies bedeutete. Ich verstand zwar die Antwort nicht, aber es entstand ein herzliches Gespräch und wir wurden mit Heiligenbildern und Segenswünschen bedacht.

    Viele Menschen gingen essen, wir sahen keine Armut, aber uns sagten mehrere Menschen, dass das Gefälle zwischen Stadt und Land sehr groß ist.

    Fahrt nach Smolensk

    Im modernen Zug geht es weiter nach Smolensk. Smolensk ist die erste Stadt, in der der Zug hält. Den Grenzübergang haben wir gar nicht mitbekommen. Der Zug fährt dann weiter nach Moskau (es wären noch 4 Stunden) und St. Petersburg.

    Am mintfarbenen Bahnhof, den ich noch gut in Erinnerung hatte, kamen wir an.“ (Y. P.)

  • Gastbeitrag: Reise nach Smolensk, Teil 1

    Wenn man Frieden nicht nur als Abwesenheit von Kampfhandlungen, sondern in einem umfassenderen Sinn versteht als Interesse am Anderen, als Wunsch, den Anderen in seiner Entwicklung zu fördern und gemeinsam wachsen zu wollen, dann kann es ein wertvolles Unterfangen sein, auf die andere Seite zuzugehen.

    Während die Bundesbürger, die im Westen aufgewachsen sind, oft nur über Literatur und Kunst einen Bezug zur Sowjetunion hatten, so sind viele ehemalige DDR-Bürger in direkten Kontakt gekommen, über berufliche Kontakte oder z.B. über Austauschprogramme.

    Die nächsten Beiträge stammen von einer Gastautorin, die im Winter 1987/88 ein halbes Jahr in Smolensk verbrachte. Nun reiste sie im Juli 2026 wiederum nach Smolensk und schildert hier ihre Eindrücke.

    Auf nach Smolensk

    „1987 war ich Studentin an einer Hochschule und habe unter anderem Russisch studiert. Diese Sprache ist mir sehr, sehr schwer gefallen. Ein Bestandteil des Studiums war ein Auslandsaufenthalt in Russland, entweder für 6 Monate oder für ein Jahr. Dieser Auslandsaufenthalt hat mich gereizt, ein ganzes Jahr habe ich mir aber nicht zugetraut. Das Land war damals in furchtbaren Zuständen. Es fand ein Ausverkauf statt, es gab skrupellose Geschäftleute aus dem In- und Ausland, die sich bereicherten und das Land in die Armut führten. Die Regierung hatte sich damals nicht gekümmert. Wir sind mit dem Zug gefahren, die Fahrt ging drei Tage und drei Nächte. Wir sind auch viel gestanden, der Zugverkehr war damals nicht wie heute. Wir waren eine große Gruppe von Studentinnen, und ein Dozent fuhr mit uns mit.

    Das Internat

    Ich erinnere mich an den erschütternden Anblick des Internats, wo wir für das halbe Jahr leben sollten. Es war ein Haus, das vom Fundament her schon abgerutscht war. Es machte den Eindruck, es würde nicht mehr lange halten, und wir trauten uns fast nicht, den Fahrstuhl zu benutzen. Das Zimmer, wo wir wohnen sollten, glich eher einer Strafanstalt als einem Internat. Ein kleiner, alter Holzschrank, ein Regal, alte Fenster, durch die die Kälte des Winters hereinkroch, ein Tisch, zwei Stühle. Die Betten wie aus einem Metallgitter mit alten Matratzen drauf. Für uns war das sogenannte Bad aber noch mal eine ­harte Herausforderung: Es gab nur ein kleines Waschbecken und über einen Monat kein warmes Wasser, das war nach über drei Tagen Zugfahrt nicht sehr angenehm. Ich erinnere mich, dass wir uns mit Geschick und Fantasie aber so einrichteten, dass jeder Zahnputzbecher doch seinen Platz fand, und dass wir die Toilette benutzen konnten, ohne uns zu ekeln. Wir hatten auch Sachen mitgenommen, mit denen wir uns das Zimmer verschönern konnten. Als wir ankamen, wollte meine Zimmerkollegin uns einen schönen Tee kochen. Sie hatte einen wunderbaren Tee, der in der DDR sehr teuer war, dabei. Wir freuten uns schon sehr darauf. Als sie mit den Teetassen ankam, schwamm eine weiße Schicht obenauf, das Wasser war sehr verkalkt.

    Erstes Kennenlernen

    Es war gut, dass wir jung waren. Es kam uns hart an, aber mit der Zeit gewöhnten wir uns an alles und nutzten die Zeit.

    Ich las unter anderem Dostojewski und wir wühlten uns durch die russische Geschichte.

    Die Armut war groß unter den Menschen. Wir wussten anfangs nicht, was wir kochen sollten. Gemüseläden gab es nicht, wir fanden nur Läden vor, in denen es Gläser mit Rot- und Weißkraut gab. Etwas Frisches fanden wir nicht. Schließlich machten uns Bekannte, junge russische Männer, die uns in den nächsten Monaten auch öfter ausführten, auf einen Schwarzmarkt aufmerksam. Wir suchten diesen auf und waren erstaunt: da gab es alles in Hülle und Fülle. (Auch heute ist es in Smolensk noch so, dass die Menschen aus den umliegenden Dörfern in die Stadt fahren und, auf kleinen Holzkisten sitzend, ihre unglaublich guten Produkte anbieten.) Damals wurden auch Vögel und ganze, abgetrennte Tierköpfe verkauft (was für uns natürlich furchtbar war). Wir erstanden damals frisches Obst und kauften Auberginen. Die kannten wir aber noch gar nicht, es gab sie bei uns nicht. Wir brieten sie an und fanden sie ganz vorzüglich.

    Kälte und Erschwernisse

    Es war ein sehr, sehr harter Winter. Ich kann mich an die Kälte erinnern. Wir versuchten, die Kälte mit kleinen Heizgeräten im Zimmer zu lindern, überforderten aber damit öfter die Sicherung. In Smolensk liefen auch viele Hunde herum, manche mit nur drei Beinen, die hungrig waren. Es lag viel Müll herum, viele spuckten auf die Straße. Es war eine Zeit, in der viel Alkohol konsumiert wurde, viele Menschen standen danach Schlange.

    Ausflüge

    Unsere Studentengruppe unternahm viele Ausflüge. Wir waren in Moskau und St. Petersburg. Aber am meisten erinnere ich mich an das eiskalte und kristallklare Nowgorod. Es war so kalt und faszinierend. Wir wärmten uns in der Kirche an den Kerzen. Den Kreml und vor allem die glasklare Winterluft mit der Sonne – das habe ich in sehr guter Erinnerung behalten.

    Einen Ausflug haben wir mit unseren russischen Bekannten gemacht: wir sind weit rausgefahren und dann durch den Wald gelaufen. Plötzlich standen wir vor einer alten, verfallenenen Holzkirche. Darauf war ein Mosaik mit einem Jesuskopf. Alles war verblichen und wie ich heute erfuhr, hatte man damals in dieser Holzkirche Düngemittel gelagert. Um die Situation in der Sowjetzeit zu verstehen, lohnt es sich, Stefan Zweigs „Reise nach Russland“ zu lesen. Man hat damals diese Kunstschätze nicht geschätzt. Der Jesuskopf an der Kirche hat mich damals tief beeindruckt und so war es ein großes Glück, dass ich ihn auf unserer Reise in diesem Jahr wiedersehen konnte.

    Die Eindrücke, die geblieben sind

    Ich erinnere mich an die Menschen, die uns dort aufgenommen und uns unser Dasein dort erträglich gemacht haben. Wir waren sicher in den Auge der Russen „verwöhnt“. Der DDR ging es damals viel besser, wir hatten eine schöne Wohnung mit Heizung und fließend warmen Wasser, ein Bad mit Wanne und ein Klo mit Wasserspülung. Wir hatten in dieser Zeit eigentlich auch keine Geldnot. Wir konnten uns relativ viel kaufen und haben uns nun Gemüse auf dem Schwarzmarkt gekauft.

    Die Dozenten waren alle sehr nett und überhaupt: wenn wir es mit den russischen Menschen zu tun hatten, so war irgendwie immer Heiterkeit und Freundlichkeit anwesend.

    Von Smolensk 1987/88 sind mir keine konkreten Bilder, sondern eher Eindrücke, eher ein Empfinden zurückgeblieben: das hat mit der Geschichte, der Literatur und den Menschen zu tun. Auch wenn mir die Sprache schwerfiel, haben wir uns mit diesem Land verbunden gefühlt. Man muss dazu sagen, dass wir wirklich sehr jung waren. Ich habe damals auf dieser Reise das Land nicht sehr tief aufgenommen, aber ich weiß, in den kalten Tagen, als ich auf dem Bett gelegen habe und Dostojewski oder russische Geschichte gelesen habe, war ich tief bewegt. Die russische Geschichte sollte man kennen, um das ganze Land zu verstehen.

    Damals hätte ich nie gedacht, dass ich diese Stadt wiedersehe, denn die Verbindung zu Russland ist erst mit den Lebensjahren entstanden und hat sich tiefgründig durch die Literatur, die Musik, die Kunst ausgearbeitet. Spontan bin ich auf die Stadt als Reiseziel gekommen, weil hier ein Anknüpfungspunkt bestand.“ (Y.P.)

  • Übergänge

    Perspektivenwechsel

    Neulich war ich paddelnd am See unterwegs und betrachtete dieses Seerosenfeld.

    Man sieht das Wasser, die Seerosenblätter, die Seerosen, das Schilf und dahinter die Laubbäume. Ich kenne diesen Ort auch von der anderen Seite her:

    Ein Weg unter den Bäumen hindurch zu einem kleinen Badeplatz. Man ahnt das Schilf, von den Seerosen und vom See ist nichts zu sehen. Man blickt aus dem Dunkeln ins Licht. Der Eindruck ist ein ganz anderer.

    Es ist oft so, dass wir Orte, Dinge, Menschen immer wieder aus einer ähnlichen Perspektive sehen. Dann ist es eine sehr belebende Übung, sich ganz konkret vorzustellen, wie das von einem anderen Standpunkt aus aussehen würde.

    Die Ausstiegsstelle mit dem Kajak. Welcher Anblick wird sich zeigen, wenn ich mich an Land umdrehe? Ich verweile und stelle es mir konkret vor.

    Es ist schön, wenn man die eigene konkrete Vorstellung auch mit der Wirklichkeit abgleichen kann, wie hier.

    Durch diesen Perspektivwechsel präzisiert sich die Wahrnehmung, die Vorstellungskraft wird trainiert und man wird auch wendiger darin, eigene Fehlvorstellungen zu erkennen und zu korrigieren.

    Übergänge

    Am ersten Foto in diesem Beitrag zeigt sich der Übergang vom Wasser zum Land: die Seerosen, dann das Schilf, dann die Bäume. Der Übergang vom Wasser zum Land kann vom Menschen gestaltet und dadurch erleichtert werden, als Beispiel zeige ich hier ein Bootshaus:

    Das Bootshaus ermöglicht einen geordneten Übergang vom Land zum Wasser. Vom Land her ist es wichtig, einen guten Zugang zu haben. Eine Straße in der Nähe, einen guten Weg zum Bootshaus, vielleicht noch einen wettergeschützten Sitzplatz? Die Sachkenntnis und Wahrnehmungsfähigkeit des Erbauers kann den Benutzern den Übergang vom Land zum Wasser erleichtern.

    Vom Wasser her kommend, braucht der Ruderer eine gute Einfahrt. Der Bootshauserbauer berücksichtigt beim Bau die Ufergegebenheiten, die Himmelsrichtungen, den Wechsel des Pegelstandes, die verwendeten Boote und vieles mehr. Wie wird das Bootshaus auf der anderen Seite aussehen?

    Oh… – wer beim vorigen Foto genau hingeschaut hat, hat es vielleicht schon geahnt: der Wasserspiegel ist derzeit so niedrig, dass das Bootshaus seiner Funkton nicht nachkommen kann.

    Auch beim Aufeinandertreffen von Mensch zu Mensch oder beim Aufeinandertreffen von Kulturen ist der Perspektivwechsel hilfreich, darüber hinaus erleichtern Takt und Empathie die gelungene Begegnung.

    Diesen Übergang, diesen Begegnungsraum, aufmerksam zu betrachten und zu gestalten, kann bereichernd sein.

    In diesem Video zeigt der Landwirt Martin Ott ab Minute 37:25 bis 40:20, welchen Mehrwert ein gestalteter Übergangsbereich in der Natur bietet. Er kann diesen Übergangsbereich kundig gestalten, da er sowohl (in diesem Beispiel) den Wald als auch die Wiese kennt.

    Als Mittler zwischen Kulturen möchte ich hier Ahmet Aydin vorstellen:

    Ein junger Dichter, der mit der Spiritualität des Islam vertraut ist und als junger Mann seine Liebe zu den Weimarer Künstlern entdeckte.

    https://www.instagram.com/westoestlicherpoet

    Ein Mensch, der beide Kulturen kennt und Brücken bauen kann und will.

  • Über die Wahrheit

    Im letzten Beitrag ging es unter anderem darum, die Feigheit zu betrachten als Zurückschrecken vor der Wahrheit.

    2020 begegnete mir auf Demonstrationen mehrfach ein Mann, der ein übergroßes Gandhiplakat mit sich führte. Ohne Slogans, einfach nur das Bild.

    Diese Hinwendung, an heißen Sommertagen über weite Strecken das riesige Porträt eines lange verstorbenen Mannes mitzuführen, beeindruckte mich sehr und regte mich an, mich mit dem Leben von Gandhi auseinanderzusetzen. Ein Begriff, der mich faszinierte, ist satyagraha, auf Wikipedia wird er als „Festhalten an der Wahrheit“ oder „Ergreifen der Wahrheit“ übersetzt. Diese Übertragungen ins Deutsche halte ich jedoch für irreführend, weil man sich schnell eine Vorstellung von der Wahrheit machen könnte als etwas, das man „haben“ und „vor sich her tragen“ könne.

    Die gegenwärtige Schwierigkeit vieler Menschen, wirklich in aufrichtige Begegnungen zu finden, mag auch daran liegen, dass viele Menschen meinen, Wahrheit bereits gefunden zu haben.

    Hier hilft aber sogar Wikipedia weiter: „Während der Lebenszeit kann die Wahrheit nicht als Ganzes erkannt werden“ steht auf einer Skizze, die auf dem Satyagraha-Artikel veröffentlicht ist. Es geht also vielmehr um das „Streben nach Wahrheit“.

    Ich hatte mir vor ein paar Jahren einen schönen Satz abgeschrieben: „Satyagraha ist eine unermüdliche Suche nach Wahrheit und die Entschlossenheit, die Wahrheit zu erreichen. Man hält an der Wahrheit fest und lässt die Unwahrheit los, egal wie schwierig es sich erweist.“

    Nun wollte ich nachprüfen, wo der Satz veröffentlicht wurde, aber ich fand ihn nicht mehr. Es geht mir immer öfter so, dass ich mich darauf verlasse, etwas mit einer Suchmaschine schon wiederzufinden, und dann ist es aber gelöscht oder aus anderen Gründen nicht mehr auffindbar.

    Dennoch finde ich diese Aussage zu Satyagraha aufschlussreich, da es nicht naiv und vereinfachend ist, sondern darauf verweist, dass das Unterfangen ein schwieriges sein wird und dass man auf dem Weg auch etwas los- und zurücklassen muss (die Unwahrheit).

    Die hohe Anforderung einer Wahrheitssuche und den Ernst, der sie begleitet, stellte Heinz Grill auf seiner Homepage im Beitrag über Satya, Wahrheit, Logik und Unlogik sehr anschaulich dar. Das Bild und der untenstehende Text ist ein Ausschnitt seines Artikels.

    Der ganze Artikel ist sehr zu empfehlen und erweitert und vertieft die Idee des Satyagraha.