Zwei kleine Szenen vom Besuch in Sotschi, September 24. Sie sind eigentlich nur eine Randnotiz. Aber sie zeigen doch feine Unterschiede im Wesen der Menschen.
Sotschi, man könnte sagen das Garda Russlands, allerdings mit mehr Strand, mehr an Kiosken, eigentlich einer kilometerlangen Strandbebauung nur für Touristen, wo man alles kaufen kann, was das Urlaubsherz begehrt. Wir sind etwas zurückgesetzt vom Meer in einem einfachen Zimmer untergebracht. Ich gehe einmal um die Mittagszeit an den Strand, einen Espresso Macchiato trinken. Dieses kleine besondere Kaffeegetränk ist zwar nicht überall bekannt, aber wir haben, wenn es nicht bekannt war, immer erlebt, dass man sich redlich bemühte, uns das Gewünschte zu servieren. Auch diesmal ist es so.
Gegenüber der Kaffeebar eine aus Holz gebaute Sitzgelegenheit, eigentlich wie an einer Bar, nur dass man etwas erhöht aufs Meer blicken kann. Ich setze mich, bin alleine. Kurz darauf setzt sich ein Mann, etwa in meinem Alter, so Mitte fünfzig neben mich. Genaugenommen lächelt er mich zunächst an, sagt etwas auf russisch. Ich antworte auf englisch, dass ich ihn leider nicht verstehe. Er zeigt eine Zigarette, gestikuliert, will offensichtlich wissen, ob ich mich durch sein Rauchen gestört fühlen würde. Ich verneine, er setzt sich und zündet sich die Zigarette an. Wir schauen aufs Meer.
Nach etwa einer Minute des Schweigens wendet er sich mir zu, gibt mir die Hand, und stellt sich mit Vornamen, sagen wir „Maxim“ (ich weiß den Namen nicht mehr) vor. Ich erwidere. Offensichtlich, wir hatten ja bereits ein paar Worte ausgetauscht, versteht er kein Englisch. Aber inhaltlich war das bisher zu bewältigen. Nun beginnt der Versuch, sich irgendwie zu verständigen. Immer wieder fallen einzelne Wörter. Maxim kramt in seinem spärlichen, aber aus einzelnen Wörtern bestehenden englischen Wortschatz, ich suche nach verständlichen Anknüpfungspunkten.
Zu diesem Zeitpunkt waren bereits deutsche Leopard-Panzer gegen Russland eingesetzt worden. Es muss nicht jeder Leser so sehen, für mich aber ist es so, dass die Ukraine mindestens seit 2014 gezielt militärisch gegen Russland aufgebaut worden war. Deshalb versuche ich mich von der deutschen Regierung zu distanzieren. Schließlich bin ich Gast. Es ist aber auch mein voller Ernst. Es bleiben aber nur einzelne Wörter, von denen ich nicht genau herauslesen kann, wie sie ankommen. Das Gespräch, wenn man es so nennen will, bleibt aber am Laufen.

Ein weitere Russe setzt sich auf der anderen Seite neben mich. Selbe Prozedur: Höfliche Frage, Zigarette?, Hände schütteln, Vorname. Auch er spricht kaum englisch, erwähnt aber eine deutsche Stadt.
Es bleiben spärliche Versuche der Verständigung. Aber sie brechen nicht ab, bis wir uns – per Handschlag – verabschieden.
Einmal überqueren wir ein vielbefahrene Straße, ich mit einem etwas gewagten Lauf durch eine kleine Lücke im Strom der fahrenden Autos. Wir treffen auf der anderen Seite auf einen Russen, der mein Manöver lachend kommentiert, uns – wir kennen es bereits – die Hand schüttelt, sich mit Vornamen vorstellt. Er ist vom Baikalsee. Den würden wir auch gerne mal besuchen.
Es sind einzelne Szenen. Aber sie sind repräsentativ für die Stimmung und das Wesen der Menschen, wie es uns entgegenkam. Kann man sich das umgekehrt in Deutschland vorstellen? Wenn nicht, gibt es eine erschöpfende Erklärung, die den kulturellen und wesensmäßigen Unterschied außer Acht lässt? Wohl nicht! (F.S.)
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