Gastbeitrag: Reise nach Smolensk,Teil 5

Ein wichtiger Teil unserer Reise waren die Begegnungen mit den Menschen in Smolensk.

Die Mitarbeiter im Hotel waren ältere Damen und ein junger Mann, vielleicht ein Student? Sie waren immer zugewandt und hilfsbereit. Der junge Mann half uns zum Beispiel dabei, eine besondere Übersetzungs-App herunterzuladen, damit wir auch ohne Internet gut zurechtkommen. Er meinte, dass er lieber in Moskau oder St. Petersburg leben möchte, die jungen Menschen zieht es eben in die Großstädte.

Während unseres Aufenthaltes ergaben sich oft interessante Gespräche. In einem Souvenirladen kamen wir mit einer Frau in ein intensiveres Gespräch. Wir erzählten ihr, warum wir nach Smolensk gekommen sind, und sie war von den Motiven unserer Reise sehr bewegt.


An der Straße (bei der großen Baustelle) waren an jedem Tag Frauen, die Obst und Gemüse aus ihren Dörfern verkaufen. Sie sitzen den ganzen Tag geduldig dort an ihren einfachen Ständen und bieten ihre hervorragenden Produkte an.

Aufgrund eines gesundheitlichen Problems benötigte ich fachärztliche Hilfe und fragte an einer Kasse, wo ein junger Mann Eintrittskarten für den Kreml verkaufte, ob er mir sagen kann, wo ich so einen Arzt finde. Er hat nicht nur den Weg genannt, sondern auch gleich einen Termin für mich vereinbart und den Weg abfotografiert. Er hat so freundlich und selbstverständlich geholfen, das hat mich sehr berührt.

In den Restaurants arbeiten viele junge Menschen, auch sie waren immer freundlich und zugewandt.

Einen älteren Mann, der gerade vom Friedhof kam, fragten wir nach einem Weg. Er erklärte es uns und ging dann zu seiner Frau zurück, die im Auto auf ihn wartete. Wir machten uns auf den Weg, haben uns aber schwer getan, uns zu orientieren. Plötzlich hupte es neben uns (auf einer vierspurigen Straße!), und es war dieses Paar, das uns spontan anbot, uns zum gewünschten Ziel zu fahren. Der Mann hatte sich sehr gefreut, dass sie uns helfen konnten. Das Paar hatte einen sehr schönen Umgang miteinander, ich habe die beiden noch immer vor Augen.

Auf der Rückfahrt nach Minsk stiegen wir in einen sehr alten Schlafwagenzug ein. Die Menschen in Russland sind lange Zugfahrten gewohnt und können in dieser Situation tief und fest schlafen. Eine junge Frau sprach uns an, ob wir Deutsche seien und freute sich riesig, dass sie sich mit uns unterhalten konnte. Wir unterhielten uns angeregt, bis wir aussteigen mussten. Eine junge Frau im Abteil erwachte, bemerkte, dass wir uns gut unterhalten, stand auf und bot uns ganz selbstverständlich russisches Konfekt und Schokolade an. Sie fühlte sich gar nicht gestört und beharrte nicht auf ihrer Nachtruhe. Ich holte dann noch Tee für alle vom Zugsamovar.

Eine weitere Frau, die eigentlich ein Bett gebucht hatte, bemerkte, dass wir auf diesem Bett saßen und miteinander sprachen. Sie verzichtete auf den ihr zustehenden Platz und blieb am Rande sitzen. Sie beteiligte sich dann auch am Gespräch und es ergab sich ein unkompliziertes, zugewandtes Miteinander. In Deutschland hätte wohl jeder auf seinem ihm zustehenden Platz bestanden.

Wir erlebten immer wieder, dass man in den Begegnungen von den eigenen Absichten und Ansprüchen absehen kann und sich ganz gelassen, offen und freudig auf das Gegenüber einstellen kann.

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