„Eine Reise mit Bus und Bahn gegen Osten. Am Anfang möchte ich sagen, dass ich immer mehr beobachte, dass die Menschen Beziehungen möchten. Sie möchten sich begegnen, gegenseitig wahrnehmen. Und wenn ein aufmerksamer Blick mit Interesse oder mit einer Ansprache an jemanden gerichtet ist, so kam es mir manchmal vor, wie wenn der Andere sich freut und aus seiner schweren Last des Daseins erwacht, aufschaut, wie ein Licht bemerkt und freudig ins Gespräch geht.
Wir haben bei unserer ganzen Reise die Erfahrung gemacht, wenn wir Menschen ansprechen, uns für sie interessieren, ihre Gesichter beobachten und wahrnehmen, sie fragen, wie sie leben und denken, dass wir immer ins Gespräch gekommen sind, sie sich gefreut haben. Es entsteht immer ein Licht der Freude, wenn man sich bemüht, Anteil zu nehmen, sich in die Mitmenschen reinzufühlen.
Fahrt nach Warschau
Wir fuhren mit einem Flixbus von Ostdeutschland nach Warschau. Die Fahrer waren Polen. Polen sind hervorragende LKW- und Busfahrer. Sie fahren souverän und mutig in die größten Innenstädte und sind auch geduldig. Die Arbeit ist schwer, sie müssen nebenher den Bus putzen, Toilette versorgen, Pässe kontrollieren, Gepäck einräumen, an den Grenzkontrollen Rede und Antwort stehen. Wir fühlten uns in guten Händen.

Warschau West
Die Fahrt war interessant, der Bus kam schon aus München. Der Bus ist eine günstige und umweltfreundliche Reisemöglichkeit, und man kommt auch gut mit den anderen Reisenden ins Gespräch. Wir kamen in Warschau-West an. Das Stadtviertel erschreckt zunächst etwas, man sieht in der Umgebung graue Hochhäuser, wie Klein-Manhattan. Das Gelände des Busbahnhofs war sehr dreckig, voller Müll. Es wird gebaut, wie überall. Wir sahen einen stark behinderten Bettler, der die Autofahrer an einer stark befahrenen Straße bei Rot um Geld anbettelte. In einem günstigen Hotel trafen wir auf sehr freundliches Personal, das sich um uns bemühte.
Fahrt nach Vilnius
Am nächsten Tag ging die Reise nach Litauen weiter. Die Landschaft wurde sehr schön. Wir kamen durch Masuren – eine sehr reizende Landschaft, sehr flach, wunderschöne Kiefernwälder. Was besonders auffällt: es gibt sehr viele Störche. Sie bauen sich ihre Nester in den Dörfern. Man sieht ab und zu Seen von der Straße aus. Der Himmel spannt sich weit auf, der Wald wirkt sehr frisch und gesund. Diese Gegend könnte man gut für einen Urlaub empfehlen. Auf dem Rückweg saßen wir im Bus oben ganz vorne und erlebten diese stundenlange Fahrt durch die Wälder noch mal sehr intensiv. Wir sahen viele Stände am Straßenrand, wo Menschen Pilze anboten. Die polnisch-litauische Grenze ist nicht besetzt, wir fahren einfach durch und landen in Vilnius.

Vilnius erschreckt uns. Direkt am Busbahnhof, der auch voller Müll ist, begegnen uns viele betrunkene Menschen. Wir waren insgesamt drei Nächte in Vilnius (auf der Hin- und Rückfahrt) und hatten jedesmal wieder das gleiche Bild. Kaputte Straßen, verfallene Häuser, viele SecondHand-Läden, im Supermarkt sehen wir viel Alkohol in den Einkaufskörben. Wir suchen nach einer Einkehrmöglichkeit und landen in einem Hinterhofrestaurant. Junge Leute mit müden Blicken sitzen an den Tischen, unterhalten sich wenig und schauen vor allem ins Handy. Es fällt uns schwer, in Vilnius mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ein netter Kellner sagte uns bei der Rückreise, dass diese Ecke der Stadt nicht schön sei, er empfahl uns aber die schöne Innenstadt. Dies war uns aber aus Zeitgründen diesmal nicht möglich.
Fahrt nach Minsk
Auf der Weiterfahrt nach Minsk in Weißrussland hatten wir litauische Fahrer. Der Grenzübergang war schwierig, es hat sehr lange gedauert, die litauischen Grenzbeamten, sehr junge Frauen, erschienen reserviert und unterkühlt. Im Bus kamen wir mit einem jungen Spanier und seinem Vater ins Gespräch, die dann nach Moskau und St. Petersburg weiterreisen wollten. Immer mehr Menschen beteiligten sich am Gespräch, so z. B. ein Deutscher, der jetzt in Belarus lebt. Durch diesen lebendigen Austausch haben wir den langwierigen Grenzübertritt etwas leichter nehmen können.
Es ging weiter nach Minsk. Der Weg von Vilnius nach Minsk ist nicht weit, durch den Grenzübertritt, hat es aber doch sechs Stunden gedauert.
Minsk ist eine sehr moderne, riesige Stadt. Das Hotelpersonal war sehr nett. Die Stadt zeigte sich sauber und gepflegt. Die Häuser sind teils modern, teils restauriert. Man sieht teure Autos. Die Frauen sind mir aufgefallen: sehr schlank, lange Haare, schön gekleidet. Viele scheinen gerne sehr hohe Absätze zu tragen. Manchmal hatten wir aber das Gefühl, dass die eine oder andere auf Kunden wartete.
Im Botanischen Garten war ein Musikfestival, viele Pavillons, in denen junge Studenten musizierten., mit einer Geigerin kamen wir ins Gespräch.


Die Kirche für die Gefallenen und Ermordeten aller Kriege hat uns sehr beeindruckt: Frische, bunte Bilder und ein funkelnder Marmormosaikfußboden. Daneben war eine Holzkirche. Frauen müssen ein Kopftuch aufsetzen, es werden viele Kerzen angezündet. Viele Frauen sind hier in der Kirche (wohl ehrenamtlich) aktiv und kümmern sich um die Ordnung. Ich hatte beobachtet, dass Frauen etwas auf einen Zettel schreiben und Geld bezahlen. Ich fragte, was dies bedeutete. Ich verstand zwar die Antwort nicht, aber es entstand ein herzliches Gespräch und wir wurden mit Heiligenbildern und Segenswünschen bedacht.
Viele Menschen gingen essen, wir sahen keine Armut, aber uns sagten mehrere Menschen, dass das Gefälle zwischen Stadt und Land sehr groß ist.
Fahrt nach Smolensk

Im modernen Zug geht es weiter nach Smolensk. Smolensk ist die erste Stadt, in der der Zug hält. Den Grenzübergang haben wir gar nicht mitbekommen. Der Zug fährt dann weiter nach Moskau (es wären noch 4 Stunden) und St. Petersburg.
Am mintfarbenen Bahnhof, den ich noch gut in Erinnerung hatte, kamen wir an.“ (Y. P.)
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