Ein Teilnehmer am im vorigen Beitrag vorgestellten „East West Forum“ ist der Schweizer Pascal Lottaz. Lottaz ist ein junger Professor für internationale Beziehungen an einer Universität im japanischen Kyoto. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Neutralität.
Zuerst fielen mir seine überaus informativen Gespräche auf seinem Youtube-Kanal Neutrality Studies auf. Ein Schweizer in Japan – das verspricht Perspektiven abseits der hierzulande üblichen Polarisierungen.
Nun veröffentlichte Radio München einen hörenswerten Beitrag mit dem schönen Titel „Die Kunst der Neutralität“:
Jonny Rieder interviewt Pascal Lottaz und man erfährt mehr über seinen Arbeitsschwerpunkt. Er unterscheidet situative und permanente Neutralität, erläutert die geschichtlichen Hintergünde. Während die Menschen in den letzten Jahrhunderten daran arbeiteten, Krieg zu definieren, auszuhandeln und mit Regeln zu belegen, ist man inzwischen in diffusen, andauernden Kriegen angekommen (kalter Krieg, Krieg gegen den Terror,…). Er schildert die völkerrechtlichen Übereinkommen als noch junge, weiter auszugestaltende Errungenschaften.
Kriege sind heute oft Wirtschaftskriege, Sanktionen und Handelsbeschränkungen sind wirksame Waffen.
Wenn man ihn erklären hört, tut sich ein großer Entwicklungsraum auf: eine neutrale Stellung muss man nicht als Rückzug oder Isolatonismus betrachten. Neutralität kann im Gegenteil sogar als besonders gut gestaltete Beziehungsfähigkeit gesehen werden: mit allen Staaten im Gespräch sein, mit allen Staaten Handel betreiben.
Wenn mehr Menschen sich für dieses Ideal der Neutralität begeistern könnten, dann wäre eine Überwindung der Verhärtungen, der Diffamierungen, der Frontenbildung vorstellbar. Ich wünsche mir, dass diese Ideen von Herrn Lottaz große Verbreitung finden und möchte mit seinem Satz schließen: „Die Idee der Neutralität ist, dass man Freunde bleibt, mit allen.“
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